FörderkreisPreis

2017/18 "Staub"

Fotos: Manfred Niesel / Axel Lotz

Maximilian Martinez knüpft in seiner Malerei an figurative und gegenständliche Formulierungen an. Eine genaue Beobachtung der Umgebung, in der sich der Künstler aufhält, steht am Beginn der künstlerischen Auseinandersetzung. Alles begegnet dem Künstler als Sensation, als bedeutsames Geschehen, dessen geheime Poesie sich im malerischen Transformationsprozess entfaltet. Das Geschehen wird dabei nicht in seiner ursprünglichen Funktion wahrgenommen, sondern auf die Tauglichkeit als Bildobjekt hin überprüft. Der Gegenstandsbezug wird dabei durch malerische Intervention aufgebrochen. Bildliche Abstraktion ist das Resultat. (Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin, Heidelberg / Redeauszug)  

Betty Rieckmann ist Lichtkünstlerin. Brechungen und Spiegelungen spielen in ihrem Werk ebenso eine Rolle wie absichtlich gewählte Nuancen farbigen Lichts. Durch Licht werden Räume definiert und erschlossen, aber auch in ihrer Ausdehnung verändert. In der Installation "Thi-Light" entfalten sich symbolische Bezüge zum indianischen Wohnzelt. "Thi" bezeichnet in nordamerikanisch-indianischen Sprachen "wohnen, leben, verweilen", "Pi" deutet die Mehrzahl an. Betty Rieckmann übernimmt in ihrer Arbeit das Konstruktionsprinzip. Mehrere gegeneinander geneigte Holzlatten tragen Leuchtröhren, die den innenliegenden Raum beleuchten. Dieser wird ausgefüllt durch eine Anhäufung von Stromkabeln, aus denen das Licht sein Leben bezieht - nicht zufällig besetzt dieses technisch bedingte Element die Stelle des Herdfeuers im indianischen Zelt. (Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin, Heidelberg / Redeauszug)  

Anas hat sich als Videokünstler einen Namen gemacht. In bewusst inszenierten, im Modus der Projektion angelegten Brüchen des filmischen Kontinuums tritt Schönheit zutage, wie der Künstler es selbst formuliert. Er zitiert mit "Go west" einen Klassiker der Filmgeschichte von 1925. In den Fokus gerückt ist die Begegnung von Buster Keaton als Cowboy mit einer Kuh. Der Film, in Endlosschleife angelegt, wurde aus Ausschnitten des Originals zusammenmontiert. Die Projektionsfläche ist schwarz grundiert, wobei eine Figuration weiß ausgespart bleibt. Diese zeigt Mensch und Tier in Überschneidung, verschmolzen zu einem hybriden Wesen. Ausgangspunkt für diese Arbeit war die Inspiration durch mythische Mischwesen alt-mesopotamischer Kultur, die als monumentale Skulpturen die Eingänge heiliger Bezirke schützten. (Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin, Heidelberg / Redeauszug)  


Die Idee des ausgelobten Preises ist, jungen, hoffnungsvollen Künstlerinnen und Künstlern den Start in die Selbständigkeit durch ein Preisgeld und eine Ausstellung zu erleichtern.

 

Die Preisträger werden aus der Gruppe ehemaliger Studentinnen und Studenten der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, die sich für ein Graduiertenstipendium des Landes Baden-Württemberg bewerben, ausgewählt. Die Auslobung durch die Mitglieder des Förderkreises findet im Rahmen der Eröffnung der Graduiertenausstellung im Lichthof der Akademie statt. Der FörderkreisPreis wird im Zweijahresrhythmus vergeben. Eine Gruppenausstellung sämtlicher Preisträger ist für das Jahr 2018 geplant.

 

Der 1. Preis ist mit 2.000 Euro, der 2. Preis mit 1.000 Euro dotiert. Die Ausstellungen finden in der Galerie im Artforum des Künstlerkreises Ortenau in Offenburg statt. 


2015/16 "It's a moon"

Fotos: Axel Lotz

Alex Feuerstein (1981 in Heidelberg geb.) zeigt großformatige Gemälde in Öl und Lack auf Holz. Männer und Frauen treten uns in betonter Körperlichkeit in den Bildern entgegen. Die Menschen auf den Bildern gehen dem Müßiggang nach. Landschaftliche Formationen sind mit den Figuren verschränkt, ohne einen einheitlich lesbaren Raum auszubilden. Die Monumentalität der Bildgegenstände und Körper korrespondiert mit den Abmessungen des Bildträgers. Die harmonische, gebrochene Farbgebung ist in zahlreichen lasierenden Schichten über der Vorzeichnung aufgebracht. Wichtiger Faktor im Hinblick auf die Optik ist das Schleifen der Oberfläche. Die im Bildinhalt suggerierte Haptik und Raumtiefe wird hier in Form einer abschließenden gestalterischen Maßnahme des Künstlers wieder in die Fläche zurückgenommen. (Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin, Heidelberg / Redeauszug)                                          Foto: Axel Lotz

 

Im Werk von Johanna Broziat (1982 in Lübeck geb.) manifestiert sich das Interesse der Künstlerin am Konstruktiven in großformatigen Aquarellen. Setzungen regelhafter Strukturen sind perspektivisch ausgedeutet. Papiere werden vorab mit Punkt- und Linienrastern bezeichnet, wobei diese in der Ausführung jedoch nicht immer berücksichtigt werden. Die breite des Pinselstrichs bringt hier die geometrischen Bildelemente hervor, die wiederum als Module konstruktiver Bildsprache fungieren. Ihnen stehen als Äquivalente dreidimensionale gebaute Gebilde gegenüber, die sich aus eben solchen Modulen zusammensetzen und den sie umgebenden Raum rhythmisieren. (Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin, Heidelberg / Redeauszug)                                                                                                 Foto: Axel Lotz 

 

Arthur Geptings Werk zeichnet sich durch Multimedialität aus. Plastiken monumentalisierter Alltagsgegenstände stehen neben einer Videoarbeit im Mittelpunkt. "Marble Man", ein Superheld, kümmert sich um alles Marmorne in der Welt. Folgerichtig sind Teile des Ausstellungsraumes mit eine Klebefolie überzogen, die Marmor imitiert. Die Nobilitierung, die traditionell mit dem Material Marmor verbunden ist, kehrt sich sogleich in ihr Gegenteil, wenn sich das edle Gestein als Klebefolie zu erkennen gibt. Arthur Gepting setzt diese Anspielung auf kulturell höher bewertete Genres und Gestaltungsweisen auch in seinen Boden-Wand-Objekten ein, wobei die Enttäuschung unserer Erwartungshaltung zeitnah erfolgt, indem das Material sich als Massenprodukt zu erkennen gibt. (Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin, Heidelberg / Redeauszug)                                                                                                                                                   Foto: Axel Lotz


2013/14 "FEST"

Oleg Kauz (1985 in Shchuchinsk, Kasachstan geb.) zeigt während der Ausstellung "FEST" zwei Videoinstallationen und Mobiles unterschiedlichen Formats. In den Videos "Split" und "Studio Play" wird das Spiel mit den Realitäten weitergeführt. Die mit einer Handkamera abgefilmten Requisiten des Studio-Settings werden im Verlauf der Handlung ihrer Natur nach alsdigitale Artefakte offengelegt. Nichts ist, was es scheint. Gegenstände und Körper durchdringen einander, feste Oberflächen lösen sich auf. Die Mobiles nehmen ein Repertoire an Zeichen aus der Alltagskultur auf, die in vergrößerten Dimensionen zu Ensembles zusammengestellt werden. Ihre Erstellung verdanken sie digitalen Umsetzungsprozessen. (Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin, Heidelberg / Redeauszug)                                                                           Foto: Axel Lotz

 

Wenzel Seibert zeigt ein vielteiliges Werk, das aus drei Gruppen von Wandbildern unterschiedlichen Formats besteht. Die mit Nessel bespannten Keilrahmen sind Träger farbiger Geschehen, die aus einem konzeptuellen Ansatz mit den Primärfarben Rot, Gelb und Blau resultieren. Jeweils wechselnde Zusammensetzungen von Farbpigmenten und Bindemitteln bringen in Textur und Farbwirkung verschiedenartige Oberflächen hervor und bestimmen die Ausdehnung von Farbe innerhalb des Bildgevierts.  In seinem zweiten Werk präsentiert der Künstler eine große Anzahl von Kugelschreibern, die u.a. mit einer innenliegenden Botschaft des Künstlers versehen sind. (Kuratorin Dr. Maria Lucia Weigel, Kunsthistorikerin, Heidelberg / Redeauszug)                                                                                                                           Foto: Axel Bleyer                     


2011/12

Enrico Bach (1980 in Leipzig geb.) argumentiert mit seinen Gemälden in den Widersprüchen der künstlerischen Strategie des 20. Jahrhunderts. In suptiler Chromatik führt er dabei konkrete, konstruktivistische, minimalistische ebenso gestische abstrakte Positionen auf der Fläche des Bildes so zusammen, das in einer oft bühnenmäßigen Inszenierung stets ein illusionistischer Raum entsteht. Andererseits gelingen durch die Konzentration auf eine flächenorientierte geometrische Bildsprache eigenwillige Interpretationen der klassischen Kunstgeschichte, wenn er etwa die "Nachtwache" von Rembrand van Rijn, oder "Las Meninjas" von Velazques gleichsam einer abstrakt konstruierten und zugleich dekonstruierten Analyse unterzieht.  (Kurator Dr. Dirk Teuber, Kurator Kunsthalle Baden-Baden / Redeauszug)                                                                                        Foto: Axel Bleyer

 

Laura Lesser (1984 in Leimen geb.) durchmisst in ihren Zeichnungen, Skulpturen und Installationen das menschliche Bewusstsein. Dabei beharrt sie auf einer strikt handwerklichen Transformation. Eigene Erzählweisen entstehen in der Tradition der Collage, mit der Seh-Sucht und der Sehn-Sucht, dem Willen zur Ordnung, immer wieder an der Grenze dessen, das geeignet ist, den Betrachter in die Irre zu führen. In zahllosen Rahmen gebannt entstehen Bilder, die sich oft portraithaft allen möglichen Bereichen der menschlichen Erfahrung anverwandeln können. Der geduldige Betrachter mag diesen Bildern eine Erzählung abgewinnen, auch wenn sie immer wieder durch Zweifel an dem Sehenden genährt wird. (Kurator Dr. Dirk Teuber, Kurator Kunsthalle Baden-Baden / Redeauszug) 


2009/10

Die Arbeiten von Christian Schmuck (1981 in Ulm-Söflingen geb.) scheinen weit mehr in der realen Welt verankert. Nicht nur stellen seine "Landschaften", wie beispielsweise "Brache Düsseldorf" den realen und durchaus trostlosen Ausblick aus seinem Atelier dar, sondern auch die ungewöhnlichen Bildträger verweisen auf das Arbeitsumfeld des Künstlers. Eisenplatten, Isolierglasscheiben oder Aluminiumbleche, wie sie für Hausfassaden verwendet werden, sind Fundstücke, während etwa die durch zahlreiche Ätzungen durchlöcherte Radierplatte zugleich Zeuge und Restbestand des eigenen künstlerischen Arbeitsprozesses ist. (Kuratorin Dr. Margrit Brehm, Karlsruhe / Redeauszug)                      Foto: Axel Lotz

 

Gabriele Tibi (1972 in Freiburg geb.) widmet sich in ihren Werken dem Thema "Existenz/Dasein", der Sinnsuche des Menschen und seiner Todesangst. In großformatigen Kohlezeichnungen oder Ölbildern, in denen sie meist auf alle Farbigkeit verzichtet, zeigt sie real anmutende, zeitgenössische Räume, etwa ein Schlafzimmer oder eine Gefängniszelle, aber auch Raumkompositionen, die wie in "Kolumbarium", den Blick auf die leeren Fächer freigeben, in denen noch niemand seine letzte Ruhe gefunden hat.. Sowohl inhaltlich wie auch formal erweitern Schwarzweißfotografien von leeren Himmeln oder dem sich zum Horizont dehnenden Meer das Spektrum. (Kuratorin Dr. Margrit Brehm, Karlsruhe / Redeauszug)


2005/06

Wolfgang Ganter (1978 in Stuttgart geb.) 

Ulf Neumann (1978 in Kösching geb.)